Mein Weg

11. Januar 2021

‘Was machst Du hier gerade?’

Eine doch eher profane Frage, die ich mir da selbst im Sommer 2018 gestellt habe. Ich saß an meinem höhenverstellbaren Schreibtisch im gläsernen, mit USM-Möbeln bestückten Büro einer großen Corporatesgesellschaft, draußen schien die Sonne, auf den Grünflächen ums Haus wurde der Rasen gemäht und es roch nach frischem Gras. Eine befriedigende Antwort auf meine Frage hatte ich in diesem Moment nicht. Ich wusste nur, dass ich lieber da unten den Rasen gemäht hätte. Damals sagte meine Mutter in einem Telefonat zu mir „Du klingst, als wärst Du depressiv!“. In meinem Innersten wusste ich, dass sie Recht hat.

Szenenwechsel. Nach einem Kurzurlaub an der Zugspitze sitze ich ein paar Wochen später im Zug nach Hause. Noch geflasht von der Schönheit der Berge bemerke ich, wie sich mit jedem Kilometer meine Stimmung und körperliche Verfassung ändert. Ich bekomme Schüttelfrost, Fieber, der Körper schmerzt, ich will zurück. Im Taxi vom Bahnhof nach Hause laufen die Tränen. ‚Was um alles in der Welt mache ich hier?‘ Am nächsten Tag sitze ich beim Arzt und werde wegen einer Erkältung krankgeschrieben. Ich wusste, dass es nicht der eigentliche Grund war.

Nichts geht mehr

Als ich nach einer Woche wieder den Weg zur Arbeit antrete, steht mir der Schweiß auf der Stirn. Wie ein Zombie sitze ich an meinem Schreibtisch und nehme alles nur schemenhaft wahr. Selbst die Stimmen meiner Kollegen kommen gedämpft in meinem Kopf an. In der nächsten Minute sitze ich beim Betriebsrat und höre mich sagen „Ich kann nicht mehr, ich muss raus, ich will kündigen!“ Die Antwort vom BA „Geh sofort zum Arzt!“. Da saß ich dann auch am nächsten Tag, weinend, zitternd, mich kaum ausdrücken könnend, vergesslich, völlig kaputt, ein Wrack. Er legte mir einen Depressionstest vor, ging meine Antworten durch und meinte „Frau Schwarz, Sie leiden an Burnout einhergehend mit einer Depression. Lassen Sie sich bitte in einer Klinik behandeln!“. 

Und das habe ich getan. 2 Monate war ich Patientin in einer Tagesklinik – das Beste, was mir zu dieser Zeit passieren konnte. Es war nicht einfach, psychiatrische Hilfe in Anspruch zu nehmen geschweige denn, mit Freunden darüber zu reden. Aber viele Themen habe ich aufgearbeitet und mich mit jedem Tag besser gefühlt. Ich wurde kurz vor Weihnachten entlassen und freute mich sehr auf die Zukunft, denn ich hatte eine bewusste Entscheidung getroffen.

Zeit für Veränderung

20 Jahre nach meinem ersten Arbeitstag in dieser großen Corporatesgesellschaft habe ich meinen gut bezahlten Job gekündigt. Ich hatte mich ganz bewusst für einen neuen Weg entschieden. Was folgte, war nur logisch (oder doch vom Universum vorbestimmt?) – die Zertifizierung für den EmotionsCode® und eine Ausbildung zum Burnout Coach. Nur allzu oft fühlen wir uns wie ferngesteuert, und dann kann uns nur noch unser Körper ausbremsen. So vielen Menschen wie möglich helfen, nicht das Gleiche erleben zu müssen, sie dabei zu unterstützen glücklich, bewusst und wieder voll handlungsfähig zu werden, war und ist mein großes Anliegen. Die Frage “Ist das alles?” sollte sich niemand stellen müssen. Jeder Tag ist ein Geschenk und genau so sollten wir ihn auch (er-)leben. 

Und heute?

Heute bin ich glücklicher denn je. Ich bin wieder gesund, gelassen, achtsam, ich habe Visionen und Träume, wieder Freude am Leben, zwei Katzen und einen Hund.

Und ich habe noch eine große Veränderung hinter mir: nach fast 23 Jahren in Nordrhein-Westfalen bin ich wieder zurück in meine Heimat, den Osten der Republik gezogen. Als geborene Ost-Berlinerin lebe ich jetzt in Sachsen im schönen Erzgebirge in einem kleinen Häuschen mit einem großen Garten. Um mich herum nur Wald, Wiesen und Wasser. Ja, hier unten im Tal der Zschopau ist es sehr ruhig und nein, ich kannte hier niemanden. Aber die Entscheidung war bewusst…

TEILE DIESEN BEITRAG
Kommentare
AUFKLAPPEN
FÜGE EINEN KOMMENTAR HINZU